Die Benennung von Straßen nach verdienten Persönlichkeiten hat ihre Tücken. Wen soll man nehmen und vor allem, wo geht man kein Risiko ein, dass die Geschichte die Verdienste kritisch bewertet. Über Paul Hindenburg, Agnes Miegel oder Ernst Thälmann als Namenspate wird und wurde heftig diskutiert. Bei lokalen Größen ist das oft anders.
Patriarchale Stadtgeschichte
Hier ist es oft eine historisch gewachsene Sicht auf die Stadtgeschichte, die Namenspatrone vorgibt. Und weil die in der Vergangenheit patriarchalisch geprägt war, kamen in erster Linie Männer auf die Straßenschilder. Über verdiente Frauen wusste man auch wenig, weil ihre Verdienste in den Stadtchroniken und bei lokalen Historikern oft nur eine untergeordnete Rolle spielten.
Ungleiches Verhältnis
Die Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen hat in 2017, zehn Straßen, die mit Frauennamen benannt sind und 84 Straßen mit Männernamen gezählt. Um eine annähernde Parität zwischen den Geschlechtern zu erhalten, sollte ein besonderes Augenmerk auf die Leistungen von Schwerterinnen in der Stadtgeschichte gerichtet werden. Deshalb sollen künftig mehr Straßen nach Frauen der Schwerter Geschichte benannt werden. Das hatte der Hauptausschuss des Rates im Jahr 2021 beschlossen. Davor hatte man vermehrt auf Flurbezeichnungen gesetzt, vor allem, nachdem man die Agnes-Miegel-Straße nach langer Diskussion umbenannt hatte.

Aktuell steht eine Namensbenennung für das neue Gewerbegebiet in Westhofen an der Wannebachstraße auf der Tagesordnung. Und es gibt zwei Vorschläge. Der eine lautet: „Am Buschkotten“. Das hatte der Ortsheimatpfleger Lothar Meißgeier in Absprache mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins Reichshof Westhofen, Martin Gerst, in die Diskussion eingebracht.
Der Name bezieht sich auf eine alte Flurbezeichnung von Westhofen. Östlich vom Gut Steinhausen befand sich ein kleines Haus. Diese einfachen Häuser oder Hütten außerhalb der dörflichen Strukturen wurden Kotten genannt.
Sophie Ludwig
Der andere Vorschlag, der auch von der Stadtverwaltung favorisiert wird, lautet Sophie-Ludwig-Straße. Ähnlich wie bei vielen Frauen der Stadtgeschichte, dauerte es lange, bis die Bedeutung erkannt wurde. Knapp 100 Jahre nach ihrem Wirken, soll die Politikerin jetzt eine posthume Würdigung erfahren.
Zum Leben von Sophie Ludwig steht in der Vorlage der Verwaltung: „Sophie Ludwig wurde in Weilburg an der Lahn geboren, zog 1887 nach Schwerte und trat ihre Stelle als Lehrerin an der Weißenburgschule, später an der Haselackschule an. Ab 1922 war sie hier Konrektorin. Sie engagierte sich politisch in der Zentrumspartei und bekleidete das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden des Stadtverordnetenkollegiums drei Jahre lang. Bis zum Oktober 1931 blieb sie Stadtverordnete der Zentrumspartei. Sie erlebte, wie die Zentrumspartei verboten wurde und die Parteienvielfalt zerfiel. Sophie Ludwig starb 1941.“
Wortungetüme vermeiden
Nicht alle politisch Beteiligten sind für weibliche Straßennamen. Die Jungen Liberalen (JuLis) hatten zum Beispiel gefordert, Straßen nur noch nach Flurstücken zu benennen. So könne man Wortungetüme, wie die Margot-Röttger-Rath-Straße vermeiden. Die hieß zuvor schlicht Ladestraße.
Straßennamen sind reine Gemeindesache. Über die Benennung entscheidet der Hauptausschuss des Rates in Schwerte. Der tagt am 19. September ab 17 Uhr öffentlich im Rathaus im großen Ratssaal.
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