
Im ersten Quartal 2023 soll die seit vielen Monaten gesperrte Steverbrücke - auch Blaue Brücke genannt - abgerissen werden. Sie hat einst 475.000 Euro gekostet und war als Unikat in einem Bremer Unternehmen gebaut worden. © Benjamin Glöckner
Mehr als drei Millionen: Neue „Blaue Brücke“ am Halterner Walzenwehr wird teurer
Steverbrücke
Die erhebliche Kostensteigerung im Baubereich trifft auch das Vorhaben, am Walzenwehr eine neue Steverbrücke zu bauen. Ziehen Politik und Verwaltung die Reißleine?
Die „Blaue Brücke“ am Walzenwehr war bereits 15 Jahre nach ihrer Einweihung marode, deshalb ist sie seit vielen Monaten gesperrt. Die Politik hat mit Mehrheit einen Abriss und Neubau beschlossen. Scheinbar tut sich aktuell nichts. Das aber täusche, sagt Baudezernent Siegfried Schweigmann. Nach Ortsterminen und Erstellung verschiedener Gutachten werde nun ein 70-seitiges Leistungsverzeichnis erarbeitet. Im Oktober soll die Ausschreibung der Arbeiten erfolgen, bis Ende 2022 werde über die Angebote abgestimmt.
Ein solcher Umsetzungszeitplan ist notwendig, um die Fördermittel des Landes in Anspruch nehmen zu können. Denn die Stadt Haltern am See erhält 2.375.000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bund aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr für den Neubau der Steverbrücke. „Der Bau der Brücke steht und fällt mit dieser Förderung. Dass wir diese Unterstützung bekommen, ist für uns wie ein großer Lottogewinn“, hatte Baudezernent Siegfried Schweigmann im Sommer gesagt.
Kostensteigerung um 16 Prozent erscheint moderat
Doch die erheblichen Kostensteigerungen im Baubereich werden auch dieses Bauvorhaben treffen. Die prognostizierten Gesamtkosten beliefen sich bislang auf 2.653.700 Euro. Mittlerweile liegen die Schätzungen bei 3,1 Millionen. „Wir haben mit erheblich mehr gerechnet, eine Steigerung von 16 Prozent erscheint noch moderat“, erklärte Siegfried Schweigmann jüngst im Ausschuss Bauen/Digitalisierung im Rathaus. Sollten allerdings letztlich die Angebote nach der Ausschreibung erheblich über dieser Summe liegen, könnte ein neues Brückenbauwerk nicht mehr wirtschaftlich sein. „Wenn eine Schmerzgrenze erreicht wird, ziehen wir die Reißleine“, kündigte der Baudezernent an. Diesen Tenor gab es auch schon in früheren Ausschuss-Sitzungen.
Die Fördersumme aus dem Sonderprogramm passt sich höheren Kosten an. Das versicherte Bürgermeister Andreas Stegemann. Die zugesagte 95-prozentige Förderung gelte auch für zu erwartende Mehrkosten, erklärte Bürgermeister Andreas Stegemann im Ausschuss. Deshalb bleibt die Verwaltung zunächst einmal optimistisch.
Baudezernent Siegfried Schweigmann kündigte als nächstes sichtbares Zeichen einer Veränderung am Walzenwehr den Abriss der „Blauen Brücke“ im ersten Quartal 2023 an. Wenn die Rahmenbedingungen passen, dann soll die neue Brücke noch im selben Jahr eingeweiht werden.
Die neue Brücke wird optisch der alten sehr ähnlich sein. Sie soll zwei 16 Meter hohe Pylone erhalten, ist vier statt wie bisher drei Meter breit und zusätzlich mittig an beiden Seiten mit Balkonen ausgestattet, um Fußgängern und Radfahrern Platz zum Verweilen zu bieten.
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
