Karl-Heinz Hülsmann mit seiner Frau Cornelia vor dem Fidelitas-Treff.

Karl-Heinz Hülsmann mit seiner Frau Cornelia vor dem Fidelitas-Treff. © Holger Bergmann

Kalle von der Post: Eine Dorstfelder Legende wird 75 Jahre alt

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Es ist nicht gerade eine kühne Behauptung: Wer in den vergangenen 50 Jahren in Dorstfeld gelebt hat, der hat schon mal von Karl-Heinz Hülsmann gehört. Die Ortsteil-Legende wird heute 75 Jahre alt.

Dorstfeld

, 18.08.2022, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Karl-Heinz Hülsmann sagt: „In den Achtzigern gab es vier wichtige Leute in Dorstfeld: die beiden Pfarrer, den Ortsbeamten der Polizei und den Postbeamten.“ Der Postbeamte war Karl-Heinz Hülsmann selbst. Am heutigen Donnerstag (18.8.) wird er 75 Jahre alt.

Der örtliche Postbeamte ein Prominenter? Nein, das kommt nicht hin; nur, wenn es ein besonderer Postbeamter gewesen ist. Einer, der die Briefmarken in der Weihnachtszeit in Weihnachtsmann-Verkleidung abstempelte, der in der Osterzeit bunte Eier verteilte oder dessen Postamt nach frischen Waffeln duftete. Und einer, der auch mal richtig Ärger bekam.

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Es ist Tradition, dass sich Briefmarkensammler jedes Jahr einen Sonderstempel auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt abholen können. Im Jahr 1985 konnte man sich diesen Sonderstempel auch an einem anderen Ort holen: am zweiten Advent im Dorstfelder Postamt 17.

Postamt am Sonntag geöffnet

„Der Kalle von der Post“ hatte seinen Arbeitsplatz eigenmächtig an einem Sonntag geöffnet, „damit die Leute aus Dorstfeld etwas Besonderes für ihre Weihnachtspost haben“, erzählt Hülsmann heute.

So oft er kann, spielt Karl-Heinz Hülsmann in den Fidelitas Bühnenstücken die Rolle des Königs.

So oft er kann, spielt Karl-Heinz Hülsmann in den Fidelitas Bühnenstücken die Rolle des Königs. © Stephan Schütze

Ein Vorgesetzter war entrüstet: Beamte, die am Sonntag arbeiten, das ginge doch nicht. Hülsmann drohte ein Disziplinar-Verfahren. Doch der Vorgesetzte konnte sich nicht durchsetzen. So kam Hülsmann davon.

Zu diesem Zeitpunkt war „Kalle“ schon längst bekannt im Stadtteil. Das bleibt auch gar nicht aus bei einem Mann, der seit der Kindheit in allen Mannschaften des Dorstfelder SC kickte und später als Trainer ebenfalls jede Mannschaft des Clubs einmal trainiert hat.

Frauenfußball-Pionier

1972 kam eine ganz besondere Mannschaft dazu: Bis 1970 war das Fußballspielen für Frauen in Deutschland verboten, zumindest vonseiten des Deutschen Fußballbundes. Die Folge: Frauen spielten heimlich Fußball. So auch in Dorstfeld.

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Als der Fußball für Frauen erlaubt wurde, gab es hier schon zahlreiche Kickerinnen. Die wollten endlich eine Mannschaft im Dorstfelder SC haben. Auf der Suche nach einem ersten Trainer hieß es sofort: „Das macht der Kalle!“ Und er machte es.

Fast nackt als Spartakus

Eine Entscheidung mit Folgen, denn so lernte Karl-Heinz Hülsmann seine heutige Ehefrau Cornelia (58) kennen. Zehn Jahre lang trainierte er das Frauenteam und führte es bis zum Vize-Westfalenpokal-Titel.

Berichte über große Erfolge bekommen bei Karl-Heinz Hülsmann einen Ehrenplatz an der Wand.

Berichte über große Erfolge bekommen bei Karl-Heinz Hülsmann einen Ehrenplatz an der Wand.

Das reicht eigentlich schon, um anschaulich darzulegen, warum eigentlich jeder Dorstfelder Karl-Heinz-Hülsmann kennen sollte. Aber es ist nicht alles: Als Karl-Heinz Hülsmann 35 Jahre alt und körperlich auf dem Höhepunkt war, sprach ihn der damalige Regisseur des Schauspielvereins VfV Fidelitas an. Man brauchte einen Darsteller für die Rolle des Spartakus. Eine „Fast-nackt-Rolle“. Er sagte zu.

Requisiten auf der Kegelbahn

Heute, 60 Bühnenstücke später, ist Hülsmann Fidelitas-Vorsitzender. Zuerst spielte er den jugendlichen Liebhaber, heute den schusseligen Alten. Zwischendurch übernahm er alle Königsrollen, die es zu vergeben gab. Mehr als 20 Mal.

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Unter seiner Führung wurde der Verein Gastgeber im „Fidelitas-Treff“, einer eigenen Vereinskneipe. Hier ist Platz für Versammlungen, Proben und für Requisiten auf der Kegelbahn. Enorm praktisch. Da bleiben Ehrungen nicht aus. Für Karl-Heinz Hülsmann besonders wichtig: der Ehrenring des Bezirks Innenstadt-West im Jahr 2015.

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Hülsmann feiert seinen Geburtstag zusammen mit seiner Frau, vier Kindern, drei Geschwistern, vier Nichten und Neffen, vier Großnichten und -neffen, drei Enkelkindern und einem Urenkel. Sein Sohn Lars hat dazu nur eins zu sagen: „Danke, Vattern, für alles, was du in deinen letzten 75 Jahren erreicht hast.“