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Wunsch-Pflege: So geht es ohne Jörg Wunsch weiter
Personal-Mangel
Wunsch-Pflege – das ist die Erfolgs-Geschichte einer Firma und die Geschichte eines beliebten Firmenchefs. Deshalb hat der Tod von Jörg Wunsch viele Menschen bewegt. Wie geht es nun weiter?
Pflegebüros gibt es viele. Die bunten, meist ziemlich kleinen Autos, mit denen die Pflegekräfte durch die Stadt düsen, kann man überall sehen. Doch nur ein Unternehmen der Pflege-Branche in Dortmund hat es zu einer Größe und Beliebtheit wie der von Wunsch-Pflege in Kirchlinde gebracht.
Das liegt daran, dass Jörg Wunsch Pflege immer anders gedacht hat. „Für meinen Vater war Senioren-Pflege nach dem Motto: satt, sauber, still, niemals eine Option“, sagt seine Tochter Sophie Wunsch.
Als einer der erste Pflegedienste in der Region setzte Jörg Wunsch auf betreute Wohngemeinschaften für Senioren. Die alten Menschen wurden nicht alleine gelassen. Deshalb waren auch die Senioren-Urlaube, die Jörg Wunsch veranstaltete, so beliebt.
Bekannter Markenname
Wunsch-Pflege wurde zu einem bekannten Markennamen in Dortmund und Castrop-Rauxel. Der Bau des Wohnparks Kirchlinde und der aktuelle Bau eines neuen Wohnparks in Rahm sind die großen Meilensteine einer scheinbar endlosen Erfolgsgeschichte.

Das Unternehmen Wunschpflege leidet unter dem Problem Personalmangel. Deshalb ist unklar, wann es nach Fertigstellung des Wohnparks Rahm mit neuen Projekten weitergeht. © Holger Bergmann
Bis zum völlig überraschenden Tod des Firmenchefs. Jörg Wunsch war eine so präsente Person, dass viele daran zweifelten, ohne ihn könne das Unternehmen weiterbestehen.
Doch seine Witwe Ulrike Wunsch und seine Töchter Lisa und Sophie Wunsch, die sich gerade als neues Geschäftsführerinnen-Trio einarbeiten, können ihren 300 Mitarbeitern und 800 Kunden melden, dass es weitergeht: „Unser Vater hat uns ein gut aufgestelltes Unternehmen hinterlassen“.
Tod hat viele Menschen berührt
Gerührt waren die drei von dem Echo, das Jörg Wunschs Tod auslöste. Als langjähriger Vorsitzender des Gewerbevereins Kirchlinde und als Unterstützer des FC Frohlinde war er sehr engagiert. „Wir waren überwältigt, wie viele Menschen Jörg Wunsch kannten und ganz persönliche Erinnerungen an ihn behalten“, berichtet Stefan Hoffmann, Mitarbeiter der Geschäftsführung.
Wird sich die Ausrichtung des Unternehmens nun ändern? Bislang schien es nur eine Richtung zu geben: Expansion. „Wir warten, bis im Wohnpark Rahm alles läuft und schauen dann weiter“, sagt Sophie Wunsch.
Wie schnell nach dem Wohnpark Rahm ein neues Bauprojekt in Angriff genommen wird, hängt aber gar nicht vom neuen Management bei Wunsch-Pflege ab, sondern von einem anderen Faktor: dem Personalmangel.
Personalmangel ist ein Problem
„Wir bilden zwar selbst Pflegepersonal aus und haben eine Übernahmequote von 99 Prozent“, sagt Stefan Hoffmann, „aber für ein Projekt wie einen Wohnpark muss man 12 bis 14 Mitarbeiter einplanen. Die bekommt man nicht einfach so.“ Und weil die neue Firmenführung den Qualitätsstandards von Jörg Wunsch treu bleiben möchte, wird es nicht einfach weniger Mitarbeiter pro Einrichtung geben.
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
