
© Stephan Schütze (Archivbild)
Gibt es wenigstens die beliebten Tassen von Dortmunds Weihnachtsmarkt?
Nach Corona-Aus
Die 2020er-Ausgabe des Dortmunder Weihnachtsmarkts ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen – doch gilt das auch für die als Sammlerobjekt beliebten Glühwein-Tassen? Wir haben nachgefragt.
Es war 1991, daran erinnert sich Schausteller-Chef Patrick Arens noch genau, als der Dortmunder Weihnachtsmarkt das erste Mal Keramik-Tassen für den Glühwein einsetzte. Zuvor hatte es den beliebten Warmmacher für die Hände und Kater-Verursacher für den Kopf am nächsten Morgen nur aus Wegwerf-Bechern aus Styropor gegeben.
Was als Beitrag für den Umweltschutz begann, entwickelte sich schnell zum wertvollen Marketing-Mittel: Die Tassen, die ab 1992 ein wechselndes Design bekamen, wurden zu beliebten Andenken, die die Besucher gerne mit nach Hause nahmen und die deshalb häufig Tage vor dem Ende des Weihnachtsmarktes vergriffen waren. Es gab eigene Pressekonferenzen, in denen die jeweils aktuelle Tasse vorgestellt wurde.
Dieses Jahr fällt die Präsentation genauso flach wie der gesamte Weihnachtsmarkt. Die rasant steigenden Corona-Neuinfektionen machen das Großereignis unmöglich.
Und doch wird so manch gut informierter Tassen-Sammler – und davon gibt es mehr, als man gemeinhin denkt – hoffen, dass vielleicht doch keine Lücke in seiner Sammlung entsteht: Denn normalerweise werden die Glühweintassen bereits im Frühjahr bei chinesischen Produzenten bestellt.
Werden sich die verhinderten Weihnachtsmarkt-Besucher ihren Glühwein Zuhause wenigstens in Original-Tassen erhitzen können?
Schausteller waren „sehr vorsichtig“ bei der Bestellung
„Nein“, sagt Markt-Organisator Arens. Denn bei der Bestellung waren die Schausteller „dieses Jahr sehr vorsichtig“.
Weil das Zeitfenster für die normale Bestellung im März/April mit der ersten Corona-Welle in Deutschland zusammen fiel, entschieden sich die Schausteller lieber für eine mutmaßlich teurere, aber dafür flexiblere Variante: Sie suchten sich einen Tassen-Hersteller in Europa, genauer gesagt in Österreich. „Da wäre die Bestellung erst diese Woche fällig geworden“, so Arens.
Tassen-Design wird für Dortmunds Weihnachtsmarkt 2021 recycelt
Also sparten sich die Schausteller wenigstens diesen Kostenpunkt. Wie groß dieser gewesen und wie viele Tassen bestellt worden wären, daraus macht Arens ein Geheimnis. Das habe man noch nie verraten, sagt er. Lediglich, dass die Tassen einen fünfstelligen Betrag gekostet hätten, lässt er sich entlocken.
Ebenso geheim bleibt auch die Gestaltung und die Form der nun nie produzierten Dortmunder Glühwein-Tasse 2020. Die Entwürfe werden einfach 2021 recycelt, sagt Arens. Dann gibt es bestimmt auch wieder eine Pressekonferenz.
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
