Wussten Sie, dass Feldhasen mal fast auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten gelandet wären? Aktuell ist der Bestand in Werne stabil. Fehlende Verstecke und ein immer kleiner werdendes Nahrungsangebot setzen den Tieren in anderen Regionen zu. Auch Krankheiten können den Bestand dezimieren. In Werne spielt die Tularämie (Hasenpest) allerdings „fast keine Rolle“, sagt Matthias Möllenhoff, Leiter des Hegering Werne.
Er hat uns auf seinen Hof in Werne-Horst eingeladen, um Hundehaltern und Spaziergängern Sorgen um die Gesundheit, beziehungsweise eine Ansteckung mit der Krankheit zu nehmen. Der 47-Jährige ist seit etwa 30 Jahren Jäger, kennt sich mit Wildtieren aus. Ja, es sei richtig, dass diese bakterielle Erkrankung vorkomme, aber nur höchst selten. Selbst wenn Hasen daran erkranken und auch sterben, sei das Risiko einer Pandemie eher gering. Denn was viele Menschen nicht bedenken: Raubvögel und Aasfresser nehmen sich der Hasen gerne an. „Deshalb finden wir auch selten tote Tiere“, sagt Möllenhoff.

Sieben Fälle in der Region
Die Hasenpest ist eine sogenannte Zoonose, also eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übergehen kann. Die Pressestelle des Kreises Unna teilt auf Nachfrage mit, dass es seit Dezember 2023 im Kreis- und im Stadtgebiet Hamm insgesamt vier Fälle von Hasenpest gegeben habe. Zwei weitere seien in Bergkamen, einer in Kamen gemeldet worden. „Zwar verzeichnet die Veterinärbehörde des Kreises Unna keine Häufung der meldepflichtigen Tierkrankheit, trotzdem stellt Tularämie eine dauerhafte Bedrohung dar“, heißt es.
Wenn Spaziergänger tote Hasen finden, sollten sie sie auf gar keinen Fall anfassen. Sind Hunde involviert, müssen diese unbedingt von dem Kadaver ferngehalten werden. Möllenhoff bestätigt: „Hunde haben eine natürliche hohe Resistenz gegen die Bakterien. Deshalb sterben ja auch Füchse, die infizierte Hasen fressen, nicht unbedingt an Tularämie. Trotzdem sollten Hunde nicht mit toten Hasen in Berührung kommen.“ Denn sie könnten die Erreger weitergeben.

Die Bakterien können allerdings nicht nur über das Tier, sondern auch über dessen Ausscheidungen verbreitet werden. Eine Infektion sei aber eher unwahrscheinlich, was auch das Kreis-Veterinäramt bestätigt. Wegen der Brut- und Setzzeit sollten Hundehalter ihre Tiere ohnehin an der Leine führen, „es gibt ja auch lange Leinen. Wir wünschen uns, dass die Menschen auf den Wegen bleiben und ihre Hunde anleinen“, sagt Matthias Möllenhoff. In Naturschutzgebieten wie den Lippeauen gelte ohnehin Leinenpflicht.
Laut der Stadt Werne gilt die auch für sogenannte „große Hunde“ ab einer Widerristhöhe von mindestens 40 Zentimetern oder einem Gewicht von mindestens 20 Kilo. Diese müssen „außerhalb eines befriedeten Besitztums innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen angeleint“ geführt werden, heißt es wörtlich auf der Homepage.

Es gehe aber nicht nur darum, die Hunde zu schützen. „Junghasen sitzen alleine in und um ihre Sasse (eine vom Muttertier gegrabene Mulde im Boden). Die Mutter kommt nur dort hin, um den Nachwuchs zu säugen. Deshalb gilt auch die eindringliche Bitte: Fassen Sie niemals Jungtiere an. Denn die Mutter nimmt sie danach nicht mehr an“, führt der Hegeringleiter aus.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht Fälle von Tularämie bei Menschen im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch. Derzeit liegen nur Zahlen aus 2020 vor. Demnach gab es in ganz Deutschland 59 Tularämie-Erkrankungen in allen Altersklassen. Der jüngste Erkrankte war ein acht Monate alter Säugling aus Bayern, der sich durch einen Zeckenbiss infizierte. Todesfälle sind nicht bekannt. In Werne muss also niemand Angst haben, dass Haustiere eine potenziell tödliche Krankheit mit nach Hause bringen.
