Wie der Tourismus nach Haltern kam Anfänge gehen bis in die Kaiserzeit zurück

Anfänge des Tourismus reichen bis in die Kaiserzeit zurück
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Haltern am See ist ein beliebtes Ziel für Touristen von nah und fern. Doch wie kam der Tourismus in die Seestadt?

Haltern ist allein durch die geografische Lage ein beliebtes Naherholungsziel für die umliegenden Ballungsgebiete gewesen. Dazu zählen die Waldgebiete Hohe Mark, Haard und Borkenberge, wie die Naturlandschaft der Westruper Heide.

Bau des Halterner Stausees

Der Bau des Halterner Stausees war in den 1920er-Jahren ein erheblicher Meilenstein in Bezug auf den Tourismus. Damals gab es bereits erste Überlegungen der gegründeten Seegesellschaft, Haltern als Erholungs- und Sportzentrum auszubauen.

Archivbild von Menschen, die auf einer Wiese liegen
Schon vor Bau des Stausees war Haltern ein Naherholungsziel für die umliegenden Ballungsgebiete. © Archiv

Es gab außerdem ein Naturtheater im Westen der Stadt an der Weseler Straße im sogenannten „Hundegraben“. Das erfreute sich ebenfalls großer Beliebtheit. Die Zuschauertribüne soll Plätze für 5000 Besucherinnen und Besucher geboten haben.

Luftaufnahme Hundegraben
Die Luftaufnahme von 1925 zeigt die noch nicht ganz fertiggestellte Freilichtbühne im „Hundegraben“, wie der Talkessel im Ausläufer der Hohen Mark genannt wurde. © Archiv: Backmann

Die ersten Tourismus-Ausschläge liegen aber noch weiter zurück. Das zu Kaiserzeiten eröffnete Römisch-Germanische Museum (1907) und der Wallfahrtsort auf dem Annaberg sorgten für Werbung für die Stadt und eine relevante Anzahl an Touristen.

Entwicklung als Touristenziel

Ab den 1960er-Jahren gab es in der Bevölkerung einen gesteigerten Bedarf an Mobilität und Naherholung. In den 1970er-Jahren wurden die Weichen für die Entwicklung von Haltern als Tourismusziel gestellt. Dazu zählen unter anderem die Neukonzeption der Altstadt, die Gründung des Verkehrsvereins und die Renovierung des aus dem Mittelalter stammenden Siebenteufelsturm.

Archivbild Siebenteufelsturm
Das Bild aus der Zeit um 1910 zeigt den Blick zwischen den Häusern von Anton Droste (links) und Schuhmacher Bickhofe (rechts) hindurch in den Gantepoth. Einen Durchstich, der über den alten Stadtwall und -graben auf die Rochfordstraße hinausführte, gab es zur damaligen Zeit noch nicht. © Foto: Archiv Backmann

Bürgermeister war zu der Zeit Josef Paris (1925 - 1980). Das Amt hatte er von 1964 bis 1980 inne. Damals kam es in Haltern - wie in vielen anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen - zur Gebietsreform. Die trug dazu bei, dass sich die Stadtgrenzen ab dem 1. Januar 1975 mit Flaesheim und Hamm-Bossendorf südlich über die Lippe und die historischen Grenzen Westfalen ausdehnten.

Das Stadtgebiet ist von 15 auf fast 158 Quadratmeter angewachsen. Die Bevölkerung ist von 16.000 auf etwa 30.000 Einwohner angestiegen. Josef Paris war somit der erste Bürgermeister von „Groß-Haltern“.

In seiner Amtszeit bekam Haltern eine Kläranlage, die Freizeitanlagen am Lippspieker und das Schulzentrum wurden gebaut. Zudem bekam Haltern zu der Zeit eine Fußgängerzone und die Rekumer Straße wurde als „Flaniermeile“ etabliert.

Eigenes Vermarktungsbüro

In den 80er-Jahren wurde nach und nach ein Vermarktungsbüro für die eigene Stadt aufgebaut - erstmals mit städtischem Personal. Dadurch konnte die Fremdenverkehrswerbung professionalisiert werden. Die politischen Akteure, Geschäftsleute und Gremien forderten damals massive Unterstützung der Stadt für den Ausbau des Fremdenverkehrs.

Parkprobleme hat es wohl schon immer in Haltern gegeben, wie dieses Archivbild vom Parkplatz am Seebad in Haltern zeigt.
Parkprobleme hat es wohl schon immer in Haltern gegeben, wie dieses Archivbild vom Parkplatz am Seebad in Haltern zeigt. © Archiv

1986 trat die Stadt Haltern dem Touristischen Verband „Grünes Band Münsterland“ bei, die erste Radstation wurde eröffnet und erste Reiseprogramme entwickelt.

Anstieg der Übernachtungszahlen

In einem Gastgeberverzeichnis aus dem Jahr 1936 gab es in Haltern:

  • 5 Hotels
  • 22 Gasthäuser
  • 46 Privatvermieter
  • 1 Jugendherberge

Nicht nur die Zahl der Unterkünfte ist seither stetig gewachsen, sondern auch die Zahl der Übernachtungen:

  • 1985: 21.132 Übernachtungen
  • 1991: 31.359 Übernachtungen
  • 2000: 96.944 Übernachtungen
  • 2023: 185.000 Übernachtungen

Die Erweiterung des Hotels Seehof im Jahr 1997 als 4-Sterne-Hotel mit 228 Betten trug erheblich zur Steigerung der Übernachtungszahlen bei.

Weitere touristische Meilensteine

Die „Möwe“ nahm ihren Betrieb 1950 auf. Der Freizeitpark Ketteler Hof entstand 1969 und wächst seitdem Jahr für Jahr. Der Naturwildpark Granat öffnete 1975 seine Tore.

1950 nahm die "Möwe" auf dem Halterner Stausee ihren Betrieb auf.
1950 nahm die "Möwe" auf dem Halterner Stausee ihren Betrieb auf. © Archiv

In den 1980er-Jahren zog Bauer Ewald die Touristen zum Prickings Hof. 1993 wurde das LWL-Römermuseum am heutigen Standort eröffnet. Der Silbersee I wurde 1995 offiziell zum Schwimmen freigegeben; seit 2004 ist der Badebetrieb am Silbersee II.

Ein altes Baustellenschild am Silbersee I.
Ein altes Baustellenschild am Silbersee I. © Archiv

Der Ferienwohnungsmarkt in Haltern wurde offensiv ausgebaut. Heute liegt die Zahl bei 80 Ferienwohnungen. In den Jahren 2006 und 2007 ließ die Stadt ein Freizeitkonzept entwickeln. Die Stadtmühlenbucht wurde ausgebaut.

Hinweis der Redaktion: Dieser Bericht erschien ursprünglich am 13. Mai 2024.