Nach über 40 Jahren gingen im Traditionsrestaurant „Pfefferkorn“ am Dortmunder Wall zum Jahreswechsel 2024/25 die Lichter aus. Nun hat der Nachfolger eröffnet: „Le Bon Filet Steakhouse“ steht in rotem Leuchtschriftzug über dem Eingang. Neuer Name, neuer Betreiber - aber kein neues Gastro-Erlebnis.
Bei unserem Restaurant-Check wenige Tage nach der Neueröffnung im März 2025 stellen wir schnell fest: Wie angekündigt hat das benachbarte Unique Hotel als neuer Betreiber bei kulinarischer Ausrichtung und Inneneinrichtung sehr viel vom Vorgänger übernommen. Bei unserem Test entdecken wir auf der Speisekarte sehr viele Parallelen zum Pfefferkorn, das in Dortmund am Markt und am Phoenix-See weiterhin zwei Filialen betreibt.

Die Speisekarte im „Le Bon Filet“
Vorspeisen, Salate, Poke Bowls, Fisch, vegetarisch und vegan, Burger, Klassiker, Steaks, Steakvariationen und Dessert - die Kategorien der Speisekarte, die online abrufbar ist, sind vielfältig, beim Durchblättern wird klar, dass hier nicht nur Steak-Fans auf ihre Kosten kommen können.
Bei den Vorspeisen gibt es, wie es sich für ein Steakhaus gehört, ein Carpaccio, aber mit Lachstatar, Bruschetta und Tomatensuppe werden auch Fisch-Esser und Vegetarier glücklich. Das zieht sich durch die gesamte Karte: Fleisch-Fans haben die größte Auswahl. Die Steakkarte bietet verschiedene Cuts von argentinischem Black Angus und US Prime Beef. Für den großen Hunger kann man sich die Steaks größer bestellen (100g Rumpsteak für 9 Euro; 100g Filetsteak für 11,90 Euro). Dazu kann man aus verschiedenen klassischen Beilagen und Saucen wählen.
Zudem gibt es Schnitzel, Burger und Schweinefilet, jeweils in unterschiedlichen Varianten. Aber mit drei Fischgerichten, sechs vegetarischen und zwei veganen Speisen ist für Vielfalt gesorgt.
Was ebenfalls auffällt: Viele Gerichte findet man so - teils eins zu eins - auch auf der Speisekarte vom Pfefferkorn am Markt.

So schmeckt es im „Le Bon Filet“
Wir entscheiden uns für zwei Vorspeisen: Hummercremesuppe mit gegrillter Gamba (9,50 Euro) und Carpaccio vom argentinischen Angus-Rind (16,50 Euro). Als Hauptgang gibt es ein Filetsteak mit Pfeffersauce für meinen Mann (250 Gramm für 37,50 Euro). Ich esse zwar gelegentlich Fleisch, verzichte aber oft darauf und entscheide mich an diesem Freitagabend für eins der vegetarischen Gerichte: Shakshuka mit Schafskäse (19,50 Euro).
In einem Steakhaus vielleicht eine ungewöhnliche Wahl. Aber für mich ist es durchaus ein Qualitätsmerkmal, wenn die Speisekarte gute vegetarische Gerichte bereithält - das möchte ich herausfinden. Als Desserts wählen wir zwei Klassiker - Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne (8,50 Euro) und Mousse au Chocolat (8 Euro).

Etwa zwanzig Minuten warten wir nach der Bestellung, dann geht es los: Die Hummercremesuppe ist meinem Mann, der gerne intensiv würzt, etwas zu fad. Am Tisch stehen aber eine Salz- und eine Pfeffermühle, sodass Nachwürzen kein Problem ist. Als überflüssig empfinden wir den Tupfer Sprühsahne obenauf. Insgesamt schmeckt die Suppe lecker, sie ist sämig mit kleinen Stückchen. Toll ist das Olivenbrot, das dazu serviert wird. Knackige Kruste, innen weich.
Das Carpaccio ist hauchdünn geschnitten, das zarte Fleisch ist zwar noch etwas zu kühl, zergeht aber auf der Zunge. Der Parmesan ist würzig, Olivenöl und Balsamico sind passend dosiert. Der Rucola obenauf ist für meinen Geschmack etwas viel. Insgesamt aber eine leckere Vorspeise in angenehmer Portionsgröße.

Weiter geht es mit den Hauptgängen: Als passionierter Fleischesser hat mein Mann sich beim Filetsteak für eine große Portion entschieden. Statt der Standardgröße 250 Gramm ordert er ein 450-Gramm-Steak in der Garstufe medium-rare. Dazu gibt es eine Pfeffersauce sowie Röstkartoffeln und Prinzessbohnen.
Beim ersten Schnitt mit dem Messer dann die entscheidende Frage: Ist der Garpunkt getroffen? „Super, besser kann man das nicht machen“, findet mein Mann die Antwort schnell. Das Steak ist so, wie er es sich gewünscht hat. Durchgehend rosa-rot, an der dicksten Stelle noch fast roh. Außen intensiv braun, wie in der Speisekarte angekündigt karamelisiert-knusprig. Am Geschmack gibt es nichts auszusetzen - ein tolles, zartes Steak.
Die Beilagen sind solide. Völlig in Ordnung, ein Standard, wie man ihn kennt, aber auch nichts Besonderes.

Mein Shakshuka kommt optisch etwas anders daher, als ich es kenne: Statt mit in der Tomaten-Paprika-Sauce eingesunkenem, pochiertem Ei liegt ein Spiegelei obenauf. So steht es auch in der Karte.
Die Tomaten-Paprika-Sauce ist auch einen Hauch flüssiger, nicht ganz so stark einreduziert, wie ich es bisher kannte. Beides mag Zeitgründe haben - die Variante mit pochiertem Ei dauert in der Zubereitung wirklich sehr lange.

Letztlich kann ich das aber auch schnell abhaken, denn geschmacklich kann das Gericht überzeugen. Das Eigelb ist noch flüssig, zerläuft beim Anschneiden toll. Besonders gut gefallen mir die großen Paprikastücke, die noch Biss haben. Der Schafskäse ist ebenfalls sehr lecker, eher mild, er zergeht auf der Zunge.
Dazu gibt es neben dem Olivenbrot, das hervorragend zu dem Gericht passt, auch noch Röstkartoffeln. Die hätte es für mich nicht gebraucht, eine weitere Scheibe Brot zum Eintunken wäre die bessere Option. Insgesamt lässt sich festhalten: Wer vegetarisch essen möchte, wird damit zufrieden sein.

Der Sättigungsgrad passt bis hierhin schon - ein süßer Abschluss darf es trotzdem noch sein. Den warmen, spanischen Mandelkuchen, den die Speisekarte verspricht, gibt es an diesem Abend leider nicht. Als Alternative nennt der Kellner Mousse au Chocolat - mit der ich dann auch sehr zufrieden bin. Die Portion ist sehr üppig, ganz schaffe ich sie nicht.
Wie für den Apfelstrudel, den mein Mann bestellt hat, gilt: ein guter Abschluss, klassisch angerichtet. Auch optisch wird sofort deutlich, dass man hier nicht wild herumexperimentiert. Hier wird die kulinarische Welt nicht neu erfunden, aber die Gerichte sind von Grund auf solide.
Insgesamt ist unser Eindruck zum Essen gut: Das Wichtigste in einem Steakhaus, das Fleisch, war sehr gut und auch die übrigen Gerichte haben uns geschmeckt. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für uns fair.

Der Service
Wir besuchen das „Le Bon Filet“ in Dortmund am siebten Tag nach der Eröffnung. An der ein oder anderen Stelle merkt man dem Personal noch Unsicherheiten an - alles in allem fällt das aber nicht weiter ins Gewicht. Die Kellner sind freundlich und aufmerksam, lächeln und scherzen. Wir fühlen uns willkommen.
Das Ambiente
In den Räumlichkeiten hat sich durch den Betreiberwechsel sehr wenig verändert: Die Inneneinrichtung wurde komplett übernommen. Dunkles Holz, massive Holztische, die markanten Holzvertäfelungen und die Bleiglas-Front zum Wall sind geblieben.
Was vorher urig-gemütlich war, ist es auch jetzt noch.
Anfahrt
Das „Le Bon Filet“ liegt direkt am Hohen Wall. Vom Hauptbahnhof sind es maximal 8 Gehminuten. Die U-Bahn-Haltestelle Westentor ist nur eine Minute entfernt. Die Tiefgarage Westentor ist nur eine Fahrminute entfernt.
Google-Rezensionen zu „Le Bon Filet“
Die Nutzerstimmen zum neu eröffneten Restaurant pendeln zwischen den Extremen: Bei bislang 54 Rezensionen (Stand 17.3.2025) kommen im Schnitt 4,1 Sterne zusammen. Vielen 5-Sterne-Bewertungen, in denen Essensqualität und der freundliche Service gelobt werden, stehen mehrere 1-Sterne-Bewertungen gegenüber.
Die Hauptkritik bezieht sich auf die vielen Parallelen zum Pfefferkorn. „Billige Kopie vom Vorgänger“ oder „Schade, dass man sich nicht zutraut, eine eigene Speisekarte zu schreiben“ liest man unter anderem.
Einrichtung bleibt, Personal teils auch: Das passiert im neuen Steakhaus im Ex-Pfefferkorn