Als Oberbürgermeister in Dortmund wird einem nicht langweilig: Man ist nicht nur Chef der rund 11.000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung und oberster Repräsentant von Deutschlands neuntgrößter Stadt, sondern sitzt auch qua Amt in zahlreichen wichtigen Gremien von Unternehmen, Stiftungen und Verbänden.
Einmal pro Jahr veröffentlicht die Stadt Dortmund eine Übersicht der Nebentätigkeiten des Oberbürgermeisters. Thomas Westphal kam 2024 auf 33 Nebentätigkeiten.
Die Mehrzahl dieser „Nebenjobs“ sind unentgeltlich - aber die Gesamterträge für jene 13 Ämter, für die Dortmunds Stadtoberhaupt ein Entgelt bekam, können sich durchaus sehen lassen: Knapp 116.000 Euro netto kamen so 2024 für Westphal zusammen, wobei fast 67.000 Euro davon gemäß rechtlicher Vorgaben in die Dortmunder Stadtkasse flossen.
Wir zeigen Thomas Westphals bezahlte Nebentätigkeiten im Überblick:
RWE: Fast 47.800 Euro

Mit Abstand am meisten Geld warfen 2024 die Ämter des Oberbürgermeisters bei RWE ab. Für den Sitz im Aufsichtsrat gab es eine Vergütung von 41.393 Euro, dazu kommen noch zusammen 6000 Euro als „Auslagenersätze“ im Aufsichtsrat und dem Prüfungsausschuss.
Die 400 Euro, die Westphal an Sitzungsgeld als Aufsichtsratsvorsitzender der KEB Holding (über die DSW21 und damit auch die Stadt Dortmund Aktien an RWE hält) fallen da kaum ins Gewicht. Insgesamt belaufen sich die Entgelte mit RWE-Bezug auf 47.793 Euro.
Schüchtermann-Schiller‘sche Familienstiftung: Rund 23.000 Euro

Die Schüchtermann-Schiller‘sche Familienstiftung ist eine von Dortmunds größten Stiftungen. Sie geht auf den Unternehmer Heinrich Schüchtermann und seine Frau Antoinette (geborene Schiller) zurück. Das beträchtliche Vermögen des kinderlosen Paares floss nach Antoinettes Tod 1900 (Heinrich war bereits 1895 gestorben) in die Stiftung. Die Stadt Dortmund widmete Schüchtermann 1899 ein großes Denkmal am Ostwall, das bis heute steht.
Als Vorsitzender des Stiftungsvorstands erhielt Westphal 2024 eine Vergütung von 22.480 Euro, dazu kamen noch Sitzungsgelder von 539 Euro. Macht insgesamt 23.019 Euro.
Schüchtermann-Klinik: Rund 12.000 Euro

Besagte Schüchtermann‘sche Familienstiftung besitzt im niedersächsischen Bad Rothenfelde bei Osnabrück die Schüchtermann-Klinik, nach eigenen Angaben „eines der modernsten Herzzentren Deutschlands“.
Als Mitglied des Aufsichtsrats bekam Westphal 2024 inklusive Sitzungsgeld rund 12.100 Euro.
Sparkasse: Etwa 10.000 Euro

Bei der Dortmunder Sparkasse hat Westphal den Vorsitz im Verwaltungsrat und ist darüber hinaus im Risikoausschuss, im Hauptausschuss sowie im Beirat. Die Jahrespauschale betrug hier 7140 Euro, dazu gab es Sitzungsgelder von 2520 Euro und noch 300 Euro für den Beirat.
Hinzu kommen noch 200 Euro Sitzungsgeld für seine Tätigkeit im Sparkassenzweckverband der Städte Dortmund und Schwerte. Macht zusammen 10.160 Euro.
BVB: 7000 Euro

Bei Borussia Dortmund ist Thomas Westphal Teil des hochkarätig besetzten Wirtschaftsrats, in dem neben ihm Dortmunder Wirtschaftsgrößen wie die Gründer der IT-Unternehmen Adesso (Volker Gruhn) und Materna (Winfried Materna) und Reinhold Schulte, Noch-Aufsichtsratschef von Signal Iduna, sitzen.
Dafür bekam Westphal 2024 eine Beiratsvergütung von 7000 Euro, die er komplett an die BVB-Stiftung „leuchte auf“ spendete.
DSW21: 6380 Euro

Bei Dortmunds mit Abstand größter Stadttochter DSW21 bekleidet Thomas Westphal den mächtigen Posten des Aufsichtsratschefs, ebenso bei der „Dortmunder Stadtwerke Holding“, über welche die zahlreichen Beteiligungen von DSW21 laufen.
Über Aufwandsentschädigungen und Sitzungsgeld kommen für diese Tätigkeiten insgesamt 6380 Euro zusammen.
DEW21: 6160 Euro

Nur unwesentlich kleiner ist das Entgelt, das Westphal als Aufsichtsratsvorsitzender der wohl wichtigsten DSW-Tochter, dem lokalen Energieversorger DEW21, erhält.
Dort summieren sich Aufwandsentschädigung und Sitzungsgeld auf 6160 Euro.
Klinikum Dortmund: 1760 Euro

Bei Westfalens größtem kommunalen Krankenhaus sitzt Westphal ebenfalls im Aufsichtsrat, wenn auch „nur“ als einfaches Mitglied. Dort gab es 2024 eine Aufwandsentschädigung von 1760 Euro.
Emschergenossenschaft: 1080 Euro

Die Emschergenossenschaft regelt im nördlichen Ruhrgebiet so ziemlich alles, was mit Wasser zu tun hat - vom Abwassermanagement über die Renaturierung der Emscher bis hin zu Hochwasserschutz. Die Stadt Dortmund ist die größte der beteiligten Kommunen.
Thomas Westphal vertritt Dortmund als Oberbürgermeister in der Genossenschaftsversammlung der Emschergenossenschaft. Dafür bekam er 2024 eine Aufwandsentschädigung von 1080 Euro.
VRR: 400 Euro

Eher symbolisch ist das Entgelt, das Westphal für seine Nebentätigkeit im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bekommt. Die 400 Euro Aufwandsentschädigung würden gerade einmal für sechs Monate Deutschlandticket reichen.
In zahlreichen weiteren Gremien sitzt Westphal kostenlos
Für seine restlichen 20 Gremienposten bekommt Thomas Westphal kein Geld. Dazu gehören unter anderem der Sitz im Beirat der TU Dortmund, der Vorsitz der Gesellschafterversammlung der Stiftung des Deutschen Fußballmuseums oder die Mitgliedschaft im Regionalbeirat Rhein-Ruhr der Westenergie AG.
Westphals reguläres Grundgehalt als Oberbürgermeister liegt laut Finanzverwaltung NRW seit Februar 2025 bei rund 15.700 Euro pro Monat.